Dhanyabad धन्यवाद 5


Dhanyabad – Vielen Dank

(Bilder Folgen noch, da es einfach zu viele zum Auswerten waren.)

Der dritte Tag in Nepal. Wieder zu viele Eindrücke um ihnen in diesem Blogeintrag gerecht zu werden.

2:00, Schlafen gehen

Der Vortag war lang und vor allem in der Nachbereitung anstrengend. Harald und ich saßen bis tief in die Nacht noch zusammen und schrieben unsere Blogeinträge. Neben Schwierigkeiten mit der Internetanbindung spielte uns die Technik insgesamt nicht gerade in die Karten.

Irgendwann war es dann soweit. Die Einträge waren verfasst und veröffentlicht, die Rechtschreibfehler ignoriert und ich war dankbar (Dhanyabad) darüber, dass wir endlich ins Bett konnten.

7:30, Aufstehen

Die Müdigkeit liegt schwer in den Knochen, doch der erste gemeinsame Kaffee mit Harald auf der Terrasse und der Blick auf Kathmandu vertreiben schnell die Trägheit. Harald schaffte es etwas früher aufzustehen um unserem Koch die Tür zu öffnet.

Es fühlt sich seltsam an dass so zu schreiben „unserem Koch“. Doch man hat sich schnell daran gewöhnt und weis seine Kochkünste bestens zu schätzen. So wurde uns unter anderem auch gesagt, wir wären nicht die ersten Besucher die vor hätten ihn mit nach Hause zu nehmen.

Aber ehrlich gesagt ist er auch eine große Hilfe, weil wir unter dem bestehenden Zeitplan nur schwer dazu kämen für uns selbst zu kochen. Und obwohl er dass wohl nie lesen wird, bin ich dankbar (Dhanyabad) dafür, dass er so leidenschaftlich für uns kocht.

8:30, Frühstück

Es gibt Deutsche Cornflakes mit nepalesischen Papaya in Yoghurt, Rührei, Vollkorntoast, gesalzene Butter und Marmelade mit nur halb so vielen künstlichen Inhaltsstoffen wie erwartet.

Nach dem Frühstück bereiteten wir uns darauf vor eine Präsentation zum BBW vor der gesamten Belegschaft der Olgapuri Vocational School zu halten.

Die wichtigsten englischen Begriffe nochmal notiert, Themengebiete verteilt und ab ins kalte Wasser.

10:20, die Präsentation

Gerade fertig  mit der Planung unserer doch recht spontan gehaltenen Präsentation, fanden sich auch schon  Riswo, Manager bei der NYF und Aurun, Direktor der Schule, bei uns ein. Wir besprachen im Schnelldurchlauf den restlichen Tagesablauf und gingen dann los um unsere Präsentation zu halten.

Offensichtlich stieß unsere Präsentation auf großes Interesse, denn die Partner hielten sich nicht zurück Fragen zu stellen.

Wichtigster Punkt schien zu sein: „Wie funktioniert unser Schul/Ausbildungssystem und welche Teile könnte man übertragen.“

Schnell wurde klar, hier besteht ein Wunsch nach Kooperation auf einem Niveau, welches Ich persönlich zunächst nicht für möglich gehalten hätte.

Zwei der Ausbilder an der Olgapuri School, stehen in engem Kontakt mit der nepalesischen Regierung. Einer von ihnen berät dort sogar für ein potentielles Curriculum und sucht nach alternativen für die momentan bestehende Ausbildungszertifizierung, welche in Level1 (3 Monate), Level2(9Monate) und Level 3(2-3 Jahre), unterteilt sind.

Leider ist es praktisch nicht möglich nach Level 3, welches am ehesten unserer deutschen Ausbildung ohne allgemein bildenden Unterricht gleicht, weiter aufzusteigen.

Er sieht viel potential darin, eine zukunftssichere Ausbildung mit Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. Ergänzte allerdings dass ihm wichtig sei, stufenweise Zertifizierung zu ermöglichen. Das wäre z.B. relevant, sagt er, für Schüler welche bestimmte Ausbildungsinhalte nicht auf Anhieb schaffen, aber in allen anderen Fächern gut sind. Der Schüler sollte in der Lage sein, Modulweise trotzdem abzuschließen und den nicht geschafften Teil zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen, um dann eine vollständig zertifizierte Ausbildung zu erhalten.

Dieser Ausbilder wird uns voraussichtlich auch in Deutschland besuchen kommen.

(An diesem Punkt möchte ich anmerken, dass es aufgrund der Sprache sehr schwierig für mich war diesen Teil so unverfälscht wie möglich ins Deutsche zu bringen. Einige der Aspekte könnten durchaus falsch von mir aufgefasst worden sein.)

Ein gutes Gefühl. Man war irgendwie plötzlich wichtig. Die Bereitschaft für so viele gemeinsame Projekte ist da und ich bin dankbar (Dhanyabad) für so viel gegenseitige Offenheit.

13:00, Geldumtausch

Nach dem Mittagessen (welches ich nicht beschreiben kann, weil ich kaum eine der Zutaten kannte) fuhren wir mit einem vorab organisierten Taxi zu einer Bank in Kathmandu um unsere Euros in Rupien umzutauschen. Wenn wir von dem bürokratischen Aufwand einer nepalesischen Bank doch nur vorher gewusst hätten.

Die Bank befand sich in einem Gebäudekomplex mit anderen Geschäften und was sofort ins Auge fiel war, dass vor jedem dieser Geschäfte eine Security stand. Noch bevor wir die Bank betraten wurden wir mit einem Metalldetektor, welcher überall ausschlug, abgetastet. Dies interessierte den Security-Menschen allerdings offensichtlich nicht, da seine einzigen Bedenken „No taking photo here.“ waren, bevor er uns Eintritt gewährte.

Bürokratie. Wir zogen ein Ticket mit Wartenummer und bekamen jeweils drei Zettel, welche wir zum Umtauschen ausfüllen sollten.

Bürokratie. Aus irgendeinem Grund wollte diese Bank den Namen meiner Eltern wissen.

Bürokratie. Fast alle angaben wiederholten sich irgendwie.

Bürokratie. Beim letzten Blatt angekommen lief unser Ticket aus und Fr. Kandilova musste neue holen.

Bürokratie. Während wir darauf warteten, viel uns auf dass die Damen an den Bankschaltern immer mehrere Kunden gleichzeitig zu betreuen schien. Vor jedem Schalter standen zwei bis drei Menschen. Jeder in Nepal kennt nun meine privaten Daten.

BÜ RO KRA TIE. Am Schalter angekommen musste ich gefühlt ein Dutzend Dokumente mehrfach unterschreiben und mit meiner Telefonnummer, Passnummer, Anschrift ect. ect. ect… versehen. Im Nachhinein bin ich mir sicher, ich hätte jedes Dokument als ‚Charlie Chaplin‘ unterschreiben können und hätte mein Geld dennoch erhalten.

Zum ersten Mal Rupien in der Hand. Sie rochen modrig und einige der Scheine waren beschmiert oder sogar durchlöchert. Fr. Kandilova startete einen Disput. Mit Erfolg.

Etwa eineinhalb Stunden später verließen wir die Bank und ich war dankbar (Dhanyabad) dass es endlich weiter ging.

 

15:00, Patan Durbar Square Tempelanlagen

Nepal wie es auf Bildern dargestellt wird, wenn nicht gerade der Mnt. Everest gezeigt wird.

Die geballte historische Breitseite der Stadt schmetterte mir ungefiltert ins Bewusstsein. Zu viele filigrane Details um alle zu erfassen. Zu viele Gerüche um zu differenzieren. Staub, Holz, brennende Kohlen, Räucherstäbchen, Sandelholz, ein wenig Schweiß, alles vor einem schwachen dumpfen Hintergrund aus Moder und immer präsenten Abgasen, aber auch so viel mehr.

Die Augen wussten nicht wohin. Ein Wimmelbild aus Buddhas und ach so vielen der 30 Millionen hinduistischen Göttern.

Affen über den Dächern der uralten Pagoden. Unendlich viele Götzen. Ruinen vom Erdbeben, welche sich im wiederaufbau befinden und sehr interessante und lehrreiche Beiträge von Hr. Dr. Bähr, um nur einige Eindrücke zu schildern.

Vor dem Tempelplatz kaufte ich eine Klangschale. 1000 Rupien, umgerechnet 8 Euro. Da keine Touristensaison war, angeblich sogar zum Nepali Preis. Ich wage zu bezweifeln. Dennoch ein gutes Angebot. Die Schale ist hübsch und hört sich super an.

Aufdringliche andere Taxifahrer, welche nicht verstanden dass wir bereits einen Taxifahrer hatten.

Auf der Suche nach diesem, wagten wir uns durch die Seitengassen Kathmandus.

Es fühlt sich abenteuerlich an. Überall um uns Höfe und Gassen auf denen der Alltag stattfindet. Eine kleiner ungetrübter Einblick ohne Touristenbrille. Die Wege waren feucht und teils matschig. Überall Ziegelgebäude mit Geschichte. Direkt neben einem Tempel und doch nicht weniger imposant, mit seinen Türmen aus geflickten Wänden, zerbrochenen Fenstern und Wellblecharrangements. Pragmatisch, ungeschönt, persönlich, einzigartig und in diesem Labyrinth aus Backstein trotzdem immer wieder liebevoll. Kleine Gebetsfigürchen vor jedem zweiten Haus. Simple Steine mit aufgemalten Gesichtern. Geschmückt mit Blumenblättern, Räucherstäbchen und roter pudriger Farbe. Ganze Tage hätte ich mich nur in diesen Gassen verlieren können.

Wir erreichten das Taxi, fuhren über die staubigen und überfüllten Straßen Kathmandus zurück und ich war dankbar (Dhanyabad) für diese Gelegenheit.

 

18:00, Heim kommen

Als wir beim Gästehaus ankamen, fühlte es sich an wie eine Heimkunft. Wir aßen zusammen, unterhielten uns über Politik, Psychologie, Musik und Fotographie, Nepal, Klangschalen, die Schule und mehr, saßen zusammen auf der Terrasse und tranken Kaffee.

Im weiteren laufe des Abends machten sich Hr. Dr. Bähr und ich auf, ein wenig die Umgebung mit unseren Kameras zu erkunden. Später saßen wir erneut auf der Terrasse und ich bekam eine kleine Einführung in die Astrofotografie.

Ein überaus abgerundeter Tag und ich bin dankbar (Dhanyabad), dieses Projekt begleiten zu dürfen und froh, diesen Artikel jetzt fertig geschrieben zu haben (1:00). Gute Nacht, Namaste.


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5 Gedanken zu “Dhanyabad धन्यवाद

  • Markus Rösch

    Hallo Björn,
    das ist ja ein sehr ausführlicher Bericht. Interessant ist, was Sie über das nepalesische Ausbildungswesen berichten. Natürlich sind auch die Schilderungen der kleinen Annehmlichkeiten (Koch) interessant- genauso wie die Schilderungen der Unannehmlichkeiten (Bank).
    Ich hoffe, dass es noch mit vielen interessanten Erfahrungen weiter geht.
    Ich freue mich, bald wieder etwas von Ihnen zu lesen.

    Herzliche Grüße

    Markus Rösch

  • Reiner Rauch

    Hallo,

    toller, lebendiger Bericht. Ich habe den Kaffee beinahe gerochen und habe sofort Appetit auf ein Frühstück mit Eiern und sonstigen Zutaten bekommen. Papaya in Joghurt, mmh. Das Mittagessen scheint sehr exotisch zu sein. Da werde ich gerade neidisch.
    Natürlich hat mich nicht nur das Essen abgesprochen, sondern auch eure Erlebnisse auf den Seitengassen von Kathmandu, eure Bekanntschaft mit der Bürokratie, mal nicht Made in Germany, die Tempelanlagen und überhaupt eurer Staunen über die ganz andere Welt in Nepal.
    Ich wünsche euch weiter schöne und interessante Erlebnisse
    Liebe Grüße
    Reiner Rauch

  • Regine Ganser

    Lieber Björn und alle anderen Nepal-Reisenden,

    beim Lesen all der interessanten Berichte taucht man richtig ab und kann es fast miterleben…
    Ich lese voller Faszination alle Einträge – toll beschriebene Eindrücke.
    Die Geldumtausch-Story ist grandios, war aber für die Beteiligten wahrscheinlich weniger lustig als für uns Leser.
    Danke für die eindringliche Umgebungsbeschreibung samt Farben und Gerüchen – ich kriege Fernweh.

    Ich wünsche allen noch eine faszinierende, abenteuerliche Zeit mit einmaligen Erfahrungen!

    Viele Grüße
    Regine Ganser

  • Claudia Baygan

    Liebe Nepal-Erkunder,
    es ist schön, durch Euren Blog so ausführlich dabei sein zu können! Die Klangschale musst Du bitte mal mit in den Unterricht bringen, Björn – ganz ohne Bürokratie 😉 !
    Ich wünsche Euch noch schöne Tage und Entdeckungen!
    Viele Grüße,
    Claudia Baygan

  • Viktoria Maller

    Hallo an alle!
    Vielen Dank für eure phantastischen Berichte, durch eure Augen, Ohren, Haut und Zunge reisen wir alle mit:)))! Habe mich die Ganze Zeit gefragt, wie es dort so ist, jetzt habe ich einen sehr lebendigen Eindruck davon bekommen. Danke!!!
    Viel Spaß weiterhin und liebe Grüße!!!
    Viktoria Maller