[Halbzeit] 2/4 Wochen Portsmouth ÜBERLEBT :D


  1. Ich hatte die ersten 4 Tage so viele Eindrücke, die ich  in der anfänglichen Euphorie loswerden musste.
    Da ich dachte, dass ich zwar gerne erzähle, aber auch nicht weiter jeden Tag einen extra Eintrag anlegen will, habe ich bis zur Halbzeit des Praktikums einige Eindrücke in meinen Notizen gesammelt.

Einmal zu den Menschen hier: Auf dem Weg zum Bus, im Bus und bei der Arbeit wirken die Leute ziemlich gezwungen, unfrei, als wäre die Höflichkeit und Freundlichkeit von außen draufgepresst.

7.06.
Donnerstag.
Am Donnerstag hatte ich dann die Gehäuse fertig montiert , zumindest hatte ich das gedacht.
Denn obere und untere Abdeckung waren vertauscht. Die Abdeckung mit installiertem Lüfter hatte ich zunächst unten installiert. Der sollte aber oben sein. Oben ist am Gehäuse die Seite, wenn das Gehäuse so steht, dass das Schloss rechts ist und die Tür sich nach links öffnet.
Da hatte ich also einige Abdeckungen mit jeweils 6 Schrauben wieder zu lösen.
Allerdings habe ich die Gelegenheit genutzt und nach Absprache bei allen, oberen und unteren Abdeckungen, die äußersten Löcher aufzubohren, dass die sich wenigstens besser alle wieder aufschrauben ließen. Die äußersten Bohrungen waren nämlich oft so versetzt reingelasert worden, dass die Schrauben gar nicht durch gingen.
Die Tischbohrmaschine hatte keine Drehzahleinstellung wie gewohnt und entgraten sollte ich vorsichtig mit einem größeren Spiralbohrer.
Das dann aber mit der Handbohrmaschine, weil der Bohrer bei der Tischbohrmaschine nicht ins Bohrfutter passte.
Also gebohrt, entgratet, mit Kreuzschlitz montiert, Gehäuse fertig. Türen zu. Gehäuse in Tüte, eingetütet in Kartons. Schlüssel oben drauf, Kartons zugetaped mit professionellem Paketklebebandroller.
Immer maximal in Einksufswagen gepackt und unter Anleitung ins Lagerregal einsortiert. Dieses Projekt abgeschlossen!
Hinten im Lager kam dann der witzige Spruch von James. Ich hatte ja zuerst verstanden, dass zuletzt Mädchen aus Deutschland richtig gute Arbeit gemacht hätten, was mir als Konkurrenz und Ansporn diente, noch besser zu sein. haha
Allerdings nuschelte James mit einem Kollegen, mit Fingerzeig auf kompliziertes Kabelwirrwarr in einer Art Schaltschrank, dass da wohl irgendein Problem bestehe.
Dann meinte er auf Englisch: „Falsch verkabelt, rate mal, wer das war.“
Ich: „I don t know.“ James: „Germans.“
Dann fragte ich, ob das die deutschen Mödchen gewesen wären, weil die wären doch eigentlich so gut gewesen. Tja, geirrt. Das hatten sie auch gedacht, bis zu diesem Zeitpunkt eben. hehe
Das sagte er aber mit so einem Ton, dass das aber kein Weltuntergang zu sein schien.
Spannend an dem Tag war noch, dass Vince auf der anderen Seite viel mit grünen Platinen, Elektroteilen und Kabeln zugange war. Was die Dinger für ne Funktion hätten? Keine Ahnung, er baue es nur zusammen und dann gehe der Kram nach Afrika. Als ich mir auf seiner Seite die Teile anschauen durfte, las ich etwas von Inverter, Solar und vielen Watt Leistung.
An dem Tag ging es auf BBC Radio Channel 2 um Kriminelle und Selbstverteidigung. Komisch war da, wie ausführlich von einem Gast Bewegungen beschrieben, um einen Gegner mit Helm abzuwehren. So verstand ich es und Nola bestätigte später, dass es Leute auf motorisierten Zweirädern gebe, die an einem vorbei fahren und dabei Handy oder Schmuck abnehmen.

8.06.
Freitag.
Für Freitag war mir freigestellt worden, ob ich zur Arbeit kommen will.
Denn um 13 Uhr sollten wir im Tellus College sein. So hatte ich am Vorabend mich per Mail abgemeldet, was mir Freitag morgens Craig Ritchie fröhlich bestätigte.
Freitag Vormittag war ich dann joggen zur Southsea, um das erste Mal Strand zu sehen. Dort gab es aber noch viel mehr zu sehen. Normalerweise jogge ich mit Musik, was ich aus 2 Gründen unterließ. Einmal um Verkehr und Menschen besser zu beachten, und vor allem um auf aktive Krimi zu achten. Ich versuchte noch aufmerksamer zu sein als gewöhnlich und sportlich zu wirken, um die Wahrscheinlichkeit zu senken, überfallen zu werden. Im Nachhinein musste ich grinsen, weil durch mein Laufen und allmähliches Überholen von Fußgängern wohl eher der Gedanke umgedreht wird, dass ich der gefährliche Kriminelle bin, der womöglich im Vorbeilaufen Handys einsammelt.
Mit dem Bus ging es dann zurück, duschen und mit dem Bus wieder los zum Tellus College. Etwa 30-40min Busfahrt übrigens. Kein Problem. Vor der Guildhall(da ist das Tellus College mit drin) traf ich dann die 3 Wieblinger, deren Privatsphäre ich schützen will.
Weil kein Raum frei war, sollten 30min später wiederkommen, sodass ich hurtig zum Post Office sprintete, um die erste Postkarte abzuschicken. 1,50£, voll OK das Porto. Ich musste echt viel rennen, da ich doch nicht mehr den Weg fand. Sympathisch war ein Verkehrsregler, der mit seiner Uniform und Ausrüstung wie ein Polizist aussah, weil er mich einige Zeit in die Richtung des Post Office führte. 😀
„I don t want to steal your time.“ Ich wusste ja nicht, wie weit er mich noch bringen wollte. „All fine.“, sagte er.
Zurück im Tellus College gab es nur kurz unsere Ergebnisse zu unseren Abtestungen zum Thema Sicherheit und Verhalten bei der Arbeit. Manche mussten kurz korrigieren, alle ein Feedback zum Unterricht abgeben. Nach wenigen Minuten waren wir schon in unser erstes Wochenende entlassen.
Abends trafen wir uns 4 am Hafen, in der Nähe vom Spinnaker Tower, auf Bier und Fish and chips. Das war ein guter Abend. Es war unterhaltsam, das Essen war gut, und wir spazierten noch durchs Einkaufscenter Gunwharf Quays und am Wasser lang.

9.06.
Samstag.
Vormittags habe ich das Haus mit dem Ziel Southsea verlassen und an der Promenade bis zum Ende zu spazieren.
An der Southsea gibt es nicht nur nen riesigen Strand, der zwar kieselsteinig ist, aber zum Meer hin sandig wird.
Einige habe ich auch baden sehen. Einen großen Park gibt es dort auch, wo ich Sonntag längere Zeit war. Es gibt Tennisplätze, ein Riesenrad, eine Art kleine Kirmes. Geht man weiter folgen Hoovercraft-Anleger, eine gläserne Pyramide(Schwimmbad und andere Fitnessmöglichkeiten sind darin), eine Ruine von Southsea Castle, japanischer Garten, Rockgarten und Rosengarten, ein großer Pier/Steg aufs Meer hinaus mit Restaurants, Kinder-Familien-Spielzenteum, Souvenir-Shops, Fish and chips. Es gibt viele schöne Orte an der Southsea!
Ich bin lange am Wasser lang gelaufen. Später kam ein Schild, wo auf die Naturbelassenheit des Strandes hingewiesen wurde, der ab dort von verschiedenen Pflanzen bewachsen war. Irgendwann kam ich zu einem Marine Hafen, wo ich mit dem Bus mit einem Umstieg zurückfuhr.

10.06.
Sonntag. Es war schönes und warmes Wetter. Ich bin relativ früh zur South Sea, um dort im Park zu sitzen und zu lesen, die Zeit beobachtend, weil ich mit einer sehr guten Freundin(was es eigentlich gar nicht trifft, irgendwie mehr als das) telefonieren wollte.
Noch schöner war das Telefonieren dadurch, weil ich mich für die Zeit am Strand auf eine relativ steinfreie Stelle in die Sonne gelegt hatte.

Hier gibt es noch ein Video von der Southsea:

 

11.06.
Montag.
Bei der Arbeit habe ich Metallteile verschraubt, wobei pro Stück etwa 10 Schrauben mit mehreren Scheiben und jeweils 2 Muttern festgezogen werden mussten. Die Teile dienen dazu, zwischen den Unterlegscheiben Kabel zu klemmen.


Dann hatte ich einen Einkaufswagen vor mir, wo ich einige Bleche um jeweils etwa 10 Clinchmuttern ergänzen sollte.
Auf je ein Blech sollten später vier Lüfter geschrabt werden.

Von einigen Lüftern kürzte ich die Kabel und löste am Ende die Isolierung, um die vier einzelnen, verschiedenfarbigen Adern freizulegen, dass diese wiederum gecrimpt werden konnten. Gecrimpt, also mit kleinem Stecker verbunden, der mit Zange stromleitend darum gepresst wurde.


Interessant und witzig im BBC Radio war an dem Tag der Talk über Spielsucht. Es ging in erster Linie um das Spiel Fortnite, das manche Kinder Nächte durchzocken lassen sollte, dass sie in der Schule schlafen oder sich in die Hose machen, um auf WC zu gehen. Klar, das sind Probleme, allerdings nicht neu.
Der Moderator sprach mit Eltern über ihre Sorgen wegen spielender Kinder, mit Kindern – und bekam live gezeigt, wie er das Spiel selber steuern kann und mit welchen Tasten er sich bewegt. Das war echt sympathisch, auch das Gespräch zwischen verschiedenen Betroffenen. Experten waren natürlich auch wieder mit von der Partie.

12.06.
Dienstag.
Vormittags schoss ich noch Clinchmuttern in Bleche und präparierte Lüfterkabel.


Gegen 14 Uhr kam dann James und führte mich in die „Blech-Verarbeitungs-Halle“, wo mich Terry in Empfang nahm und in die Arbeit dort einführte.
Es gibt eine Laser-Cutting-Maschine, die Bleche bis ca. 25mm schneidet. Die nebengelegten Bleche werden wie bei einem Drucker automatisch in die Maschine gebracht, wo sie ungeklemmt von dem Laser durchschossen werden.
Die Dicke und Intensität des Lasers lässt sich zB anpassen. Wie bei einem Karton mit ausgestanzten Objekten müssen die weniger oder mehr festgeschmolzenen Ausschnitte dann am Ende aus dem Blech geklopft werden(mit Hammer zB.).
Dann gehen einige Bleche in den hinteren Bereich, wo ich seit Dienstag Nachmittag gearbeitet habe. Da werden die Bleche per Hand poliert mit dem Orbiter und in eine Entgratungsmaschine gesteckt, die den Grad abborstet, während die Bleche auf einem Band unter den Borsten durchgezogen werden. Zuerst dachte ich, die Maschine würde die Oberflächen mit Sand bestrahlen, aber erst mit einem neuen Kollegen am Donnerstag verstand ich die wahre Funktion der DM1100C. 😀
Die Maschine ist an sich leicht zu bedienen. Man muss nur über 2 Handräder die Höhe von Laufband und Borsten einstellen, somit ihren Abstand zueinander und dass das Blech von der Dicke durchpasst und ausreichend geborstet wird. 😀
Eine Presse zum Einpressen von flush studs, Spülbolzen, sozusagen das Gegenteil von Clinchnuts(Innengewinde), gibt es auch.
Die Presse kann bis 50kN Presskraft aufbringen und bringt einen Bolzen mit Außengewinde fest in ein Loch im Blech.
Verschiedene Biegemöglichkeiten gibt es auch, wobei ich noch keine Zeit hatte die Funktionen zu ergründen.
Allerdings erklärte mir ein Kollege etwas zum Wasserstrahlschneiden, als ich guckte, was er da für Sand warum in einen Behälter schaufelte. Das war spürbarer feiner Sand, power garnet, der mit dem Wasser vermischt wird, um die abrasive(Material abtragene) Funktion des Strahls zu verstärken. Die Wasserstrahlmaschine kann bis ca. 240mm Dicke schneiden, fast die 10-fache Dicke beim Laser.
Zur Arbeit am Dienstag Nachmittag?
Polieren und Entgraten von Blechen(aber schick geformten, die nicht in Haustüren, sondern einer Brücke landen sollen.


Nach der Arbeit und wieder zu Hause angekommen blieben wie jeden Werktag noch 4 freie Stunden, bis nach dem Schlaf die Arbeit schon wieder beginnt.
Dienstag und etwas Montag davor fühlte ich mich erstmals etwas negativ, erschöpft und lustlos, vermissend und fremd, aber bisher auch nur einmalig. Ab Mittwoch, Arbeit mit dem neuen Kollegen und abends nette Gespräche, ging es wieder.

13.06.
Mittwoch.
Es gab den ganzen Tag Blechteile zu polieren.

Doch ich hatte Verstärkung bekommen von einem neuen Kollegen, den ich charmanterweise auf 50 geschätzt hatte, obwohl er noch ganz knapp unter 40 war. 😀
Er erzählte, er sei eigentlich Schweißer und er könne alles schweißen. Viele Jahre hat er geschweißt, wurde aber mit hundert anderen entlassen. Nun brauche er Geld, um sein Auto zu bezahlen und war vorerst froh, dass er über eine Agentur zu ICEE vermittelt wurde.
Nach einigen Stunden sagte er, dass das total die einfache Arbeit wäre und insgesamt kamen wir in den folgenden Stunden und Tagen auf Ausdrücke wie stupid work oder monkey business.
Da man bei der Arbeit nicht denken muss, wurde ich stundenlang inspiriert, über Arbeit, Motivation zur Arbeit, Sinn von Arbeit, Unterschiede in Arbeiten, Gerechtigkeit, Kapitalismus und Zukunft nachzudenken.
Wir polierten und polierten und bekamen Donnerstag unser Riesenprojekt.
Doch zuvor war ich von der Bushalte Richtung Haus gelaufen, wo das Bett mich in den nächsten Tag begleiten sollte.
Und auf dem Weg war mal wieder der Mann kniend an seinen Autofelgen am Putzen: diesmal vorne links

14.06.
Donnerstag.
Man brauchte Nerven aus stainless steel angesichts der 333 stainless steel Teile, die der Kollege Diz und ich aus ihrem Blechrahmen klopfen sollten, aber viel schlimmer, mit Feile groben Grat runterfeilen mussten, mit dem Orbiter beide Seiten polieren und alles beidseitig durch die Entgratungsmaschine schicken.


Es war einfache und gedankenlose Arbeit, aber interessant.
Die Arbeit sei langweilig, sagte Diz. Er sei doch ein Schweißer und jetzt mache er solch eine Arbeit. Ich meinte, es sei doch ein netter psychologischer Test, das durchzuhalten ohne crazy zu werden.
Und tatsächlich war ich Donnerstag und Freitag sehr stolz und fühlte mich gut, körperlich einiges geleistet zu haben.
Insgesamt kommt es wirklich stark auf die innere Einstellung zur Tätigkeit ein.
Für mich ist einfach auch die Besonderheit gegeben, dass ich nur Praktikant bin(auch wenn man sich teilweise wie ein billiger Leiharbeiter aus Deutschland vorkommen kann), dadurch also keinen Leistungsdruck habe und ich die Zeit(maximal 4 Wochen) gut überschauen kann. Generell hat Diz gezählt, wie viele Teile er schon bearbeitet hatte, um zu rechnen wie viel Zeit der Rest benötigen würde. Leistung. Arbeit pro Zeit.
Ich bin der Meinung, schneller arbeiten als man kann, kann man eh nicht. Insofern ist es Zeitverschwendung zu rechnen. Denn warum nicht einfach kontinuierlich so schnell arbeiten, wie es für einen auch körperlich erträglich ist? Und eine Sache war der unterschiedliche qualitative Anspruch ans Arbeitsergebnis. Diz hatte längere Zeit versucht tiefere Kratzer wegzupolieren. Und ich hatte sehr lange und viel mit der Feile bearbeitet. Generell war es fraglich, welche Qualität, welches Aussehen und wie definiert, zu welchem Zweck erreicht werden sollte.
Nach 6,5 Zeitstunden, Pausen abgezogen, hatte Diz seine 50 fertigen Teile auf der rechten Seite der Palette und ich meine 23 links. Ich habe verloren, zu wenig geleistet. Selbst Fußball wäre ich nun auf die Ersatzbank gekommen..

15.06.
Freitag.
Ich wurde von Diz damit begrüßt, dass wir heute alles fertig haben müssten. Zeitdruck!
Generell bin ich unsicher, ob ich mal in der Industrie arbeiten will, wo es wirklich nur darauf ankommt gut und schnell zu funktionieren, irgendwelche maschinellen Tötigkeiten auszuführen, wobei man jederzeit einfach ersetzt werden kann.
Allein in den 3 Vorstellungsgesprächen in Deutschland wurde mir klar, dass die kreative Arbeit, technische Zeichnungen zu interpretieren und geeignete Bearbeitungsverfahren zu wählen, gar nicht so gefragt ist. Zum Großteil müssen Maschinen instandgehalten werden, um Produktionen aufrecht zu erhalten.
So dachte ich über meine vergangenen Arbeiten nach, über die Unterschiede im Stil, und meine eigentlichen Wunscharbeiten mit Tätigkeiten und Menschen, die ich mag.
Diz sagte, Terry hätte gestern Abend noch 100 Teile in 40 Minuten poliert.
Seine Sorge war, dass er wieder entlassen wird, wenn er zu langsam arbeitet. Wütend war er, verständlich, über den Widerspruch von Schnelligkeit und dafür mangelnder Qualität. Die Kratzer könnten im Metall bleiben, worauf erst spät hingewiesen worden war. Und die Teile die Terry in 40 Minuten gemacht hatte, hatten teilweise noch starken Grat, der nicht weggefeilt war.
Dann wurde er von Terry gerufen und er dachte, jetzt käme seine Kündigung.
Aber nein, der neue Kollege, der solle ihn nicht ersetzen, sondern eine andere Maschine bedienen. Glück gehabt. Aber allein die Angst, entlassen zu werden, was ich sonst nur aus Medien kenne, der Umgang mit Menschen, auch bei Bewerbungsverfahren, das regt mich auf. Wie asozial die Arbeitswelt und Unternehmen sind.
Und tatsächlich ist es generell fraglich, ob Angst ein guter Antrieb im Lebens ist.
Schule, Noten, Prüfungen, Arbeit, Geld.
Man wird geboren und ist direkt schuldig, irgendwie zwanghaft etwas zu leisten, sich einzufügen – und die ganze alte Leier…
Irgendwie musste die Arbeit ja gemacht werden. Und sie war ja nicht schlimm. Auch gegen Argon in der Luft beim Schweißen auf einem Schiff wäre das nicht the worst work.
Irgendwie freue ich mich, den Leuten mit der Arbeit weitergeholfen zu haben.
Am Ende sind wir sogar so fertig geworden, dass wir noch Zeit zum Fegen unserer Arbeitsflächen hatten. Die Ordnung, das House Keeping, ist etwas abweichend von dem, was in den einleitenden Präsentationen mir verklickert wurde. Wenigstens sollte kommende Woche die Luft etwas besser sein, nachdem auf dem Boden eine dicke Schicht mehr und mehr weniger wurde.
Jetzt verstehe ich, warum das Schild besagt, man sollte da eigentlich auch eine Maske tragen.
Diz fragte ungläubig Kollegen, ob die normal auch solche Polier- und Entgratungsarbeit in solch einer Arbeitszeit machen und es kam die erlösende Antwort: ja, unsere Arbeitszeit war wohl normal und wir sind ja fertig geworden. Kein Stress!!! 😀
Oh, und Diz war etwas erheitert, als ich ihm zu Freitag auf Englisch die Passage vom Strassenkehrer Beppo aus Michael Endes Momo zeigte..
Zwischendurch war Lucy vom Tellus College mich bei der Arbeit besuchen: Wie ich die Arbeit finde, die Gastfamilie, die Stadt.. Unterschiede zu Deutschland:
Lidl: es gibt hier Medis wie Paracethamol, Bezahlautomaten und riesige Chipstüten und das Deo Axe heißt hier anders, aber gleicher Schrifttyp. Und die Busse: Es gibt täglich darin gratis die Zeitung „Metro“, Busse haben Wlan, man muss sie zum Halten ranwinken und jeder bedankt sich brav beim Busfay fürs Mitfahren.

16.06.
Samstag.
Nachdem wir erst geplant hatten, kommendes WE nach London zu fahren, 2 Wieblinger und ich, haben wir spontan nach dem Aufstehen beschlossen, heute hinzufahren. Etwa 11 Uhr am Bahnhof Portsmouth & Southsea getroffen, Gruppenrabatt bekommen, 70£ hin und zurück, und ca. 1:40h eine Fahrt.


Der eine wollte zum Shakespeare Museum und passend zu Arbeit, Gerechtigkeit zu Karl Marx Grab, der auf dem Highgate Cemetry liegt. Auch auf der Isle of Wight, ne schöne Insel unter Portsmouth, soll er ne Zeitlang Jahre gelebt haben.
Wir waren gut in London Waterloo angekommen.

Sehr viele Menschen. Verschiedene Strassenkünstler: einer im Pandakostüm, einer als fliegender Yoda!, Musiker, Artisten.. Wir versuchten uns die erste gute Stunde zu Fuss zum Sherlock Holmes Museum in der Baker Street zu machen.

Das war so ineffizient, dass wir dann den Tube/Underground nahmen. Ca. 13£ pro Person, weshalb wir auf dem Rückweg den roten Doppeldecker-Bus nahmen. Beim Museum war die Schlange dann so lang, dass wir abgeschreckt wurden. Das Museum, so sagte mir einer, sei dort, weil die Romanfigur Sherlock Holmes da wohnen sollte. Der Highgate Cemetry, Karl Marx Friedhof, sollte um 17 Uhr schon schließen, dass kurz Enttäuschung in der Luft lag. Doch die beiden sind noch einige Wochen hier und werden ihre Ziele neu anpeilen.
Aber! Wir waren dann Pizza essen bei einem Italiener, der so italienisch war, dass sie auch da im englischsten London italienisch sprachen und so professionell waren, dass sie nur 5-6 Pizzen auf der Karte hatten. Die Double Margherita war geil.

So könnte man sagen, sind wir zum Pizzaessen beim Italiener nach London gereist. Das klingt komisch, aber dabei war der Tag unterhaltsamer und abenteuerlich. Und am Ende waren wir noch dem Coca Cola London eye und dem eingerüsteten Big Ben sehr nahe.


Das Riesenrad hätte alledings ca. 23£ pro Person gekostet, etwa 4£ mehr als das Sherlock Holmes Museum, wo sich die beiden doch vorher angestellt hatten.

Samstag rum. Gute 2 Wochen insgesamt gut verlebt. Alles mehr gut. 🙂 😀

 

17.06.
Sonntag.
Weil ich gestern nach dem London-Trip noch besessen war, die vergangenen Tage bis heute morgen zusammenzufassen, habe ich relativ lange geschlafen und lange gefrühstückt. Der Kollege aus Wieblingen gesellte sich an den Frühstückstisch und wir sprachen über Verschiedenes, Sprache, Philosophie, Politik, wobei er vielmehr vortrug und ich nur teilweise aufmerksam zuhören konnte, weil ich auf eine Skizze konzentriert war.
Gestern in der Pizzeria hatte ich schon 2 erste Entwürfe fertig, die auf einer Idee basierten, die mir bei der Arbeit kam.
Und zwar entdeckte ich in einer Restemetall-Kiste medaillengroße Blech-Disks, wozu ich überlegte, ob man da nicht noch was Cooles draus machen könnte. Etwas reinläsern. Was für eine Form? Aus Gründen der Wertschätzung für eine Freundin dachte ich, wie cool es wäre unsere Anfangsbuchstaben so miteinander zu einem neuen Buchstaben zu verschmelzen, dass je nach Drehung der Disk entweder ihr Buchstabe vordergründig zu sehen ist und meiner versteckt spiegelverkehrt, und nach Umdrehen meiner und ihrer spiegelverkehrt. Die Version, die mir besser gefiel, habe ich dann so formtechnisch und geometrisch angepasst, dass sich der Buchstabe anhang von linearen und abgerundeten Koordinaten maschinell fräsen oder eben einfach lasern lassen sollte. Ich bin gespannt, ob ich meinen eigenen Auftrag verwirklichen kann!

So zur Mittagszeit war ich dann dank einmal im Kreis laufen fast 2 Stunden am Joggen. Das tat gut. Am Ende gab es Baby-Regetropfen und während der Umstiegszeit war es ziemlich kalt geworden, dass ich in ein Café flüchtete, wo es wie an vielen Stellen sogar freies Wifi gab und ich nen guten Blick auf die nahe Bushalte hatte. 🙂
Meine Notgroschen reichten nicht ganz für einen kleinen Kaffee, sodass ich fragte, ob er mir einen kleineren Kaffee als einen kleinen machen könnte. Sehr freundlich! Das war kein Problem. 🙂 50 Pence hatten mir tatsächlich gefehlt.
Auch in London gestern hat uns ein Schneider fort von seinem Laden geführt und mit uns die richtige Bushalte gesucht, um zum Big Ben zu gelangen. Die Hilfsbereitschaft ist sehr positiv auffälig, dieses Engagement! 🙂
Während der Busfahrt bis vorhin las ich im PDF-Prospekt der Portsmouth Arts festivities, die noch bis zum 24. Juni andauern. Es gibt Vorträge, Ausstellungen, Kunst und Theater zum Thema Freiheit. Da habe ich einiges vorgemerkt. We will see.

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