Last 2 weeks in Portsmouth, heil heim gekommen


Weil es sich größtenteils um Berichte von meiner Arbeit handelt, weil sie eben Montag bis Freitag 6:00 aufstehen, 17:30 zurück sein, die meiste Zeit einnimmt, will ich etwas auflockern mit einem Bild von vor der Arbeit haha:
  




Montag, 18.06.

Mit Kollege Dis viele geschnittene Bleche durch die Entgratungsmaschine "DeluxeMachine 1100 C" geschickt.

Versuch Erklärung Maschine:

Die Maschine habe ich endgültig Freitag zum vollen Verständnis ausführlich erklärt bekommen. Es werden fertig geschnittene Bleche auf ein Förderband gelegt und unter einer Art Niederhalter und unter sich bewegenden Borsten durchgezogen, die den Grat an scharfen Kanten entfernen und zusätzlich die Oberflächen einheitlich und gleichmäßig streichen.
Dabei gibt es zur Einstellung 2 Handräder.
Entscheidend ist, dass an sich nur das Verstellen des unteren Handrads einen Bezug zum eingelegten Werkstück hat.
Die Standardeinstellung hiervon ist 0, was das Einziehen von Blechen bis 5mm Dicke ermöglicht. 
Wären die Borsten neu und noch nicht durch Gebrauch, Reibung, Verschleiß abgerieben und somit verkürzt, so wäre die Standardeinstellung des oberen Handrades 50, was sich auf die Länge der Borsten bezieht. 
Im Idealzustand mit neuen Borsten und Einstellung 50 würden die Borsten wohl direkt über das Förderband laufen.
Wären die Borsten verkürzt, müsste man die Zahl verringern, um den Abstand zwischen Förderband und Borsten wiederherzustellen.
Ist das Blech nun 5mm dick, so muss der Abstand zwischen Borsten und Blech wieder angepasst werden.
Sollen dickere Bleche als 5mm, bspw. 6mm,unter der Rolle(Niederhalten, ebnen) durch, muss mit dem unteren Handrad das Förderband um 1mm runtergefahren werden.

Geil war an dem Tag, dass ich mit meinen Zeichnungen vom Wochenende Terry fragte, ob er mir die lasercutten könnte und er es sofort bejahte. Es sollte ja kein großer Aufwand sein und nicht viel Material beanspruchen.
Dabei handelt es sich um 2 Buchstaben, die ich zu einem verschmolzen habe, wobei nur der eine je nach Drehung der ausgeschnittenen Metallscheibe lesbar ist, weil er spiegelverkehrt in den anderen Buchstaben integriert ist. 
Die Idee war mir Freitag gekommen, irgendwie die Blechscheiben aus dem Abfall sinnvoll weiter nutzen zu können.
Doch Terry sollte mir später in der Woche 2 neue Scheiben inklusive Buchstaben ausschneiden. Danke!
Zuerst durfte ich im CAD-Büro bei Herrn Miller eintreten, der mir die Zeichnung mit spontanen Änderungswünschen in die Software Solidworks übertrug.
Einen bemaßten Ausdruck der Zeichnung durfte ich auch haben.
Weil das Ganze ein persönliches Geschenk oder Ding zwischen mir und einer Freundin ist, will ich dazu nichts veröffentlichen.
Dann schickte Herr Miller, den Nachnamen weiß ich noch, weil sein Youtube-Kanal nach ihm benannt ist, die Datei an Terry in die Blech-Halle.

Generell gibt es auffällig viele Büros im Verhältnis zur Produktion, in einigen CAD-Zeichner. Da wollte mir Craig Ritchie noch Papiere zu geben, was für verschiedene Jobs und Tätigkeiten die Firma im Ganzen beinhaltet.

Terry öffnete die Datei mit seiner Bystronic -Software an seinem Zentralrechner, wovon aus er Aufträge an die Maschinen wie Laser Cutting, Waterjet cutting und Pressen/Falzmaschinen senden kann, die alle ebenfalls vom Schweizer Maschinenbauer Bystronic sind.
Die Wartung und Instandsetzung hätten sie sich im Laufe der Zeit von Bystronic-Gesandten abgeschaut, als ich fragte, ob und wie oft technische Probleme in der Produktion auftreten. Ab und zu muss zB in der Pumpe, die den feinen Sand in die Wasserstrahlmaschine saugt eine Verstopfung gelöst werden, wenn der Sand verklumpt, wie bei einer verstopften Toilette.
Von den sogenannten brakepresses haben sie 2 große und eine kleine, mit der ich etwas mehr Bekanntschaft machen durfte, in Benutzung.
Je nach Blech und seinen verschieden großen Seiten und Winkeln, kann der Einsatz der brakepress irgendwie so geplant werden, dass bei zB 400 Falzmustern alle der Reihe nach durchgearbeitet werden können, zwar trotzdem viel manuell, aber immerhin nichts mehr an der Maschine umgebaut werden muss. 
Insgesamt könnte man sich über die einfachen und gedankenlosen Arbeiten beschweren und langweilen, doch dazu fand ich Dis Ausspruch an diesem Montag schön "not worry about nothing", dass man zufrieden und froh ist, überhaupt Arbeit zu haben, so meine Interpretation.
Und große Automatisierung, um "nervige Arbeiten" zu erledigen, ist in der Firma generell schwer vorstellbar, denke ich, weil sie kein festes Produkt haben, was immer gleiche Schritte durchläuft, sondern verschiedenste Kundenaufträge individuell angenommen werden. Das finde ich spannnend und gut, weil es mir auch zeigte, was mit Blech alles zu gestalten ist und auf welche Weise.

Grundsätzlich habe ich die ganze Woche Blechausschnitte aus ihren Rahmen geklopft, was besonders mit Hammer und Krach und Kraft Spaß macht, und diese mit Begleitschein(Kunde, Abfolge der Bearbeitungsschritte, technische Zeichnungen, Metalltyp- und dicke) zum Entgraten gebracht. 
Die vom Laser(=bysprint fiber 3015 6kW) beschossene Oberseite, wie beim Fräsen und drehen, wo die Bearbeitung ansetzt, hatte immer mehr scharfen Grat und Rost(Oxidation Metall und Luft bei Schneidtemperatur?).
Je nach Stärke reichte manchmal das Durchschicken durch die DeluxeMachine 1100 C, was beidseitig(auch wegen der Optik) bei 200 mittelgroßen Teil doch Zeit braucht. War viel Rost und starker Grat vorhanden, lohnte sich beim "Orbiting Tool" Makita BO6030 schon die rauheste, dunkelblaue Schleifscheibe.


Dienstag, 19.06.

Dis und ich hatten mühsam 72 Teile entgratet, wovon doch nur 30 gebraucht wurden. Irgendwie fand ich das lustig, weil es an sich nicht effizient ist, Arbeit zu leisten, die nicht nötig ist. Und eigentlich ist in der Industrie und Produkion doch Zeit wirklich gleich Geld.
Da machten wir schon die einfältigste "labour Arbeit, die trotzdem Konzentration erforderte und aber Raum für Gedanken über alles Mögliche ließ, so hatten wir an 42 Teilen sogar wirklich sinnlos gearbeitet.

An dieser Stelle kurz direkt Dis Frage an mich, die ihm einfach erschien: Ob ich an ein Leben nach dem Tod glaube. Nein, sagte ich, obwohl schwer zu beschreiben meine diffuse Ahnung.
2 Tage später meinte ich, ich hätte wohl herausgefunden, wie er auf die Frage gekommen war. Ich müsste doch an ein Leben nach dem Tod glauben, wenn ich freiwillig so viel Lebenszeit mit solcher Arbeit verschwende. Er hatte aber wirklich die Frage ohne Absicht gestellt. 

Mittwoch, 20.06.

Bei all dem gedanklichen Freilauf kam mir Mittwoch die Idee, dass es echt auf die innere Einstellung zur Arbeit ankommt.
Ich fand es echt nicht boring oder monoton, freute mich diese leichte und problemlose Tätigkeit zu haben und nebenbei über mein Leben nachzudenken.
Es ist meditativ und schafft Kontemplation.
Peter Stamm erzählte mal im Interview, Schreibblockaden löse er, indem er Seile auseinander flechtet, wie Mönche, die den Platz kehren, um geistlich in andere Sphären vorzudringen. Man könnte während der Arbeit den Fortgang einer Geschichte erfinden und abends aufschreiben.
Dis war oft wütend während der Woche, die Kollegen hätten ihn vom ersten Tag an nicht gemocht. Fluchte über die Arbeit und über Terry, der ihn für einen Idioten halte. 
Die sprächen nicht mit ihm, respektierten ihn nicht für seine Leistung. Er war fest überzeugt, dass sie ihn loswerden wollen.
Dabei war es komplett unlogisch, ihn loszuwerden, denn wer Neues solle schneller und besser arbeiten können?
Es kommt am meisten auf die Vorgehensweise und das Ergebnis an.
Er war sehr auf die Qualität bedacht.
Denn wie poliert muss ein Teil sein, wie stark entgratet, dass es gut ist? Das ist einfach objektiv nicht machbar, sodass es am eigenen Anspruch liegt.
Dis offene und kommunikative Art gefiel mir und er stach sehr aus den sonstigen Leuten hier hervor. Als er sagte, er hätte Asperger Autismus diagnostiziert bekommen, erzählte ich von meinen Diagnosen. Wir hätten das beide nicht voneinander erwartet. Er sagte, er hätte den Kollegen gesagt, er sei sensibel.
Ich sagte, ich sei nicht immer akut und habe ab und zu starke Stimmungsschwankungen und Überzeugungen.
Abends wäre ich eher dazu geneigt, negativ zu sein, wenn ich müde bin. 
Dis meinte, hoffentlich würde sein Ärger mich nicht runterziehen. Als Spaß meinte ich, in meinen Alpträumen wird er sich über alles Mögliche beschweren.
Generell finde ich gut, dass er den Mut hat, den Mund aufzumachen und verstehe ihn, wenn er sagt, würde er all seine Kritiken und Vorschläge mitteilen, würde man ihn entlassen. 

Irgendwann kam mir die Idee/Vorstellung einer Firma, die sich nicht durch Produkte und deren ökologische aspekte abgrenzt, sondern durch gute Mitarbeiterführung und bessere Arbeitsbedingungen.
Und dann Marketing und Werbung weniger für das Produkt als für die Menschen, die fröhlich zusammen es erarbeitet haben.

Ich versuchte ihm klarzumachen, dass er die Tür im Kopf für Negatives schließen sollte. Ob er sich die Bösartigkeit der anderen vielleicht nur einbildet, weil er negative Erfahrungen zuvor gemacht hatte? 
Generell habe ich gelernt, dass der Selbstwert nicht von anderen Meinungen abhängen sollte. Und aber auch nicht von der Arbeit. 
Unzufriedenheit mit der Arbeit als Projektion der inneren Unzufriedenheit auf die Arbeit? Ich arbeite, also bin ich?
Früher dachte ich, mit Abitur müsste ich mehr erreichen. Dann hatte ich ein Studium abgebrochen, aber war und bin sehr froh über die persönlichere Ausbildung im BBW.Es klingt generell arrogant, zu glauben, man sei für höhere geistige Arbeiten bestimmt. Gerade bei solcher einfachen Arbeit hat man ja gerade die Freiheit des Denkens.
Zufriedenheit, Dankbarkeit, not worry about nothing. 

Abends habe ich der Gastfamilienmum beim Aufbau der Hängematte geholfen,deren englische Übersetzung ich schon wieder vergessen habe.
Ich war etwas genervt, dass ich keinen professionellen Knoten vom THW mehr abrufen konnte, doch den Test mit fast 90kg hat sie letztlich gut bestanden.
Die Höhe lässt sich einfach anpassen, was auch gemacht werden musste, da sich die Rohre zuerst nach innen bogen und ich den Boden berührte.

Einfach auch, dass nicht der Eindruck entsteht, dass das Praktikum nur aus leidvoller Arbeit bestehen würde. XD

Donnerstag, 21.06.
Das war der letzte Tag mit Dis, der seinen letzten Tag von Freitag vorgezogen hatte.
Das nächste Mal wolle er aber länger aushalten, seine Erwartungen an Menschen und Arbeit korrigieren und keinen vorzeitigen Schlussstrich setzen wie ein "japanese warlord", der sich selber absticht, bevor er geköpft wird. Nicht selber kündigen, bevor er entlassen wird.
Tatsächlich könnte er sich ins Nicht-erwünscht-sein reingesteigert haben, nachdem er erzählte, dass er leider oft Disrespect und Mistreat erfahren hatte.
Negativspirale, Selbsterfüllende Prophezeiung, (Selbst)Glaube, Placebo.

An diesem Donnerstag habe ich zur Abwechslung mal einige Stunden in etwa 200 Bleche jeweils 2 Senkungen gepresst, indem ich über ein doppelt getretenes Fußpedal den Stempel mit 5kN eine Senkschraubenkopf in Bohrungen drückte. 


Dann schickten Dis und ich Teile durch die Entgratungsmaschine DM1100C und polierten mit den Orbitern, wie gewohnt.
Witzig fand ich am Nachmittag eine Klasse vom TellusCollege, denen die faszinierenden Maschinen gezeigt wurde.
Ich fand es einfach lustig, sich vorzustellen, wie abturnend von außen die Arbeit aussehen musste: 2 Typen, die stundenlang Bleche mit brummenden, vibrierenden Maschinen überarbeiten. Wow! :D Vor allem für die 20jährige Partymaus alias Chaos-Prinzessin wäre das genau der richtige Job - einfach krass cool! haha.
Einem Teil der Gruppe hatte ich die Chance kurz zuzuwinken, was sie verstörte oder zumindest weiter schüchtern dreingucken ließ.
Ich meinte zu Terry: "You know feminism? Every girl should be allowed to do this (great) work!" Ein anderer Kollege antwortete, das wäre auch gut für sein Entertainment.
Die Schleifscheibe wäre bestimmt extra girly, pink, dass Mädchen gerne damit arbeiten, sagte Dis. :D
Der Witz ist einfach, wer generell diese Arbeit machen will, auch wenn er dürfte, nämlich wenige.
haha

Allerdings ist die Arbeit sinnvoll und erforderlich. Und es ist keine Strafarbeit oder sinnlose Beschäftigungstherapie.
Vor allem scheint mir die einzige wirklich fordernde Arbeit im CAD-Büro ansässig zu sein, sodass eigentlich das Gefühl von Solidarität besteht, dass jeder mit ähnlichen einfachen, monotonen Aufgaben beschäftigt ist. Auch wenn sie sich unterscheiden und anderes Wissen voraussetzen. 
Ich glube Dis ist smarter als er glaubt, die Schweißer-Ausbildung wäre der einfachste Weg gewesen ohne "smart sein" viel Geld zu verdienen. Wobei es aber auch Spaß macht, was er auf meine Nachfrage ergänzte. Und wer weiß, wenn sein Buch "what to do not" über die Fehler seines Lebens erscheinen sollte, freue ich mich. Es hilft Gedanken und Gefühle, medial zu verarbeiten, wenn niemand Verstehendes in Reichweite ist.

Freitag, 22.06.
Ohne Dis. Bleche auf gewohnte Weise poliert/entgratet. Morgens mal wieder Snickers geholt. Der Busfahrer fiel positiv auf. Er stieg mit Buch und E-Zigarette aus, las ein paar Seiten, während er dampfte.
Sympathisch, dass er auch an sein Glück denkt. Irgendwie dampfen hier allgemein viele, auch bei der Arbeit.

Gedanke bei der Arbeit:
eine möglichkeit, ein problem zu lösen, ist herauszufinden, dass das problem kein problem ist.

Und irgendwie denke ich manchmal auch darüber nach, was ich gerade tue.
Zum Beispiel mit überdimensionaler elektrischer Zahnbürste Bleche reinigen.
Oder: Ich habe echt keinen Stress. Ich gebe wie immer mein Bestes, Leistung und Effizienz. Generell könnte sich auch niemand beschweren, weil ich nur Praktikant bin. Im Gegenteil, ich habe bis heute viele Daumen und Lobsprüche gekriegt. :)

Der Abend endete mit Essen zu dritt, der Wieblinger und die Italienerin noch, mit Hähnchen, Kartoffel, Erbsen in Tomatensoße und Reis.
Der Wieblinger ließ sich von Kolleginnen zum Partymachen verführen, die Italienerin ging auch aus.
Ich hatte eine schöne Zeit mit verschiedener Schokolade, Apfelsaft und vor mir die Metro(Zeitung) von Donnerstag und Freitag, die ich bis Samstag Mittag zufriedenstellend verbraucht hatte. :D


Samstag, 23.06.
Bis 8 Uhr ausgeschlafen, geduscht, Frühstück, Zeitungen beendet, Blog geschrieben. Später bis abends mit dem Wieblinger den anderen Wieblinger in Southsea bei der Arbeit besucht.

Sonntag, 24.06

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Update Donnerstag, 28.06.

Ab Montag, 25.06.

Update Donnerstag, 28.06.Ab Montag, 25.06.
Dienstag wurde mir die Bystronics expert 120 von David genauer erklärt,
womit ich selber erstmals ein Blech biegen durfte.
Ich habe verstanden, dass sie 120 Tonnen Druck ausüben kann
An der Software konnte man Material des Bleches einstellen, Dicke, die Längen der gebogenen Seiten und Biegewinkel.
Dann wurden Stempel und Gegenstück vorgeschlagen, die es einzubauen galt.
Generell wird das Blech in ein V reingedrückt. V30 heißt V mit 30 Grad.
Es lassen sich aber auch 90 Grad Winkel damit biegen, indem das Blech nicht ganz reingedrückt wird.
Insgesamt mussten noch die Positionen der Anschläge programmiert werden(an welcher Stelle der Biegestempel auf das Blech runterkommt) und die reale Länge des Bleches vor dem Biegen mit dem ermittelten im Programm abgeglichen werden.

Kollege Luke war cool, als er mich fragte, ob ich Rammstein kenne. Joa.
Er hat sie mal live in London gesehen und einigen Titel auf dem Handy. 😀
Der Terry war generell immer motiviert und energiereich, lebhaft.
In seinem Büro war nen elektrischer Heizlüfter.
Genau das richtige bei der Hitze hier, meinte ich.
Die sei ja für den Winter.
Aber manche Leute meinten, es reiche auch, wenn er da ist. So geil. 😀

30.06.
Abreise, Abschied, Taxi Portsmouth-London, Flughafen, Flug, Ankunft Neckargemünd:

https://youtu.be/MsLTx9oFzaAoFzaA

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