Letzte Arbeiten und Abschied – Tag 7 in Nepal 1


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Für uns alle ist kaum zu fassen, dass heute schon der vorletzte Tag in Nepal sein wird. Vielleicht wachen deshalb Björn und ich mit flauem Magen und leichtem Durchfall auf – oder es war das ungewohnte Essen das wir gestern in der Klinik für Mangelernährung der Nepal Youth Foundation zu Mittag hatten.

Nach dem Frühstück treffen wir Sanjoj, der für die IT verantwortlich ist. In einem Gespräch und mit Laptops auf dem Tisch entwerfen wir schnell Pläne für eine Infrastruktur zur weiteren Koordination und zur Präsentation des Projekts. Diese setzen wir so weit es die Zeit zulässt auch direkt um.

Daraufhin sitzen wir mit einigen Ausbilderinnen und Ausbilder, die für ein Seminar an der Berufsschule im Olgapuri Village sind zusammen. Sie arbeiten in anderen Einrichtungen der Nepal Youth Foundation in Nepal und sollen in dem Seminar erlernen, wie befreiten Leibeigenen und Sklaven am besten geholfen werden kann. Diese Form der Leibeigenschaft bzw. Sklaverei ist ein Problem, so wird uns gesagt, dass seit zwanzig Jahren langsam und mit stetigem Erfolg angegangen wird, aber tief in den Traditionen Nepals verwurzelt war. Ein Report der Walk Free Foundation schätzte 2016, dass noch 229000 Menschen in Nepal in Sklaverei leben. (LINK)

Die Fragen unserer Gäste sind uns wieder bekannt: Erneut dreht sich alles um die Frage wie Ausbildungen in Deutschland organisiert sind, wie unsere Schule aufgebaut ist – die Menschen hier sind hungrig darauf zu lernen und Wissen anzuwenden, um ihr Ausbildungssystem zu verbessern, welches seit einigen Jahren mehr und mehr konstituiert und reformiert wird.

Danach treffen wir uns mit Alumni – Abgängerinnen und Abgängern – der Schule. Wir stellen sehr kurz noch einmal unsere Schule und die Intentionen des ENSA-Austauschs vor. Einige haben nach ihrer Ausbildung eine Stelle hier im Olgapuri Village selbst gefunden, andere arbeiten in großen Fabriken. Einer arbeitet halbtags und studiert nebenbei an einer Hochschule.

Auch hier sind die Fragen klar in eine Richtung gehend: Kann man eine Ausbildung in Deutschland machen? Was können wir von Deutschland lernen, um unser Ausbildungssystem zu verbessern? Einer der Alumni fragt sehr direkt: Wie kann diese Schule hier das selbe Niveau erreichen wie eine in Deutschland und wie können wir dabei helfen?

Wir stellen klar, dass wir zur Zeit nichts versprechen können, als Einrichtung auch gerne weitere Partnerschaften anstreben, aber der ENSA-Austausch zunächst nur um ein Projekt geht, mit dem Kommunikation und Austausch angestrebt ist. Dieser Austausch könne zwar dann die Grundlage für weitere Kooperation darstellen, aber zunächst geht es um ein gemeinsames Projekt, Austausch zwischen Schüler*innen und gemeinsames Lernen voneinander. Auch hier finden sich viel Interessierte für weiteren Austausch. Arun verspricht uns mehr E-Mail-Adressen.

Draußen fragen mich zwei Azubis nach einem Selfie und einer lässt sich meine E-Mail-Adresse geben. Ich bin gespannt, was zurück kommen wird und freue mich, dass mehr und mehr die Schüchternheit wegtaut.

Wir machen danach noch einen Abstecher in die Holzwerkstatt. Hier soll eine weitere Drehmaschine angeschlossen werden, der momentane, improvisierte Anschluss ermöglicht jedoch nur den Betrieb bei einer Geschwindigkeit. Ein Bauteil, dass die Lösung bringen könnte, liegt vor, jedoch ist die Dokumentation nur auf Deutsch und Englisch vorhanden, und das Know-How fehlt. Björn kann schnell erkennen, dass ohne ein zusätzliches Bauteil leider keine Geschwindigkeitsregulierung möglich sein wird, kann jedoch zumindest klären warum und was genau gemacht werden muss.

Danach essen wir zu Mittag und ich bleibe alleine im Guest House, während der Rest unserer Gruppe noch einmal einkaufen geht. Ich habe allerdings kein Interesse an Supermarktware aus Nepal als Souvenir. Stattdessen mache ich noch ein paar Fotos und ruhe mich ein bisschen aus. Währenddessen gibt es Probleme mit der Internetanbindung auf dem Gelände, Sanjoj muss immer wieder im Guest House vorbeikommen, und auch andere Techniker wuseln durch den Raum und vermessen Dinge. Ich fühle mich etwas fehl am Platz, aber schlussendlich ist es auch interessant zu beobachten.

Der Rest der Gruppe kehrt schließlich mit mehreren Kilo Gewürzen zurück. Das ganze Haus duftet jetzt nach verschiedensten Aromen durcheinander gewirbelt. Den Nachmittag verbringen wir entspannt, Riswo gesellt sich noch einmal zu uns und außer einem kleinen Fehlalarm an der Pforte geschieht zunächst nichts mehr.

Wir versuchen online für den Flug einzuchecken – eine Kombination aus instabilem WLAN und schlechter Interfaceführung lässt diesen Prozess einfach mal eine Stunde dauern. Danach machen wir uns noch fertig, denn uns wurde bereits eine Abschiedsfeier versprochen – mit der spaßhaften Drohung Singen und Tanzen zu müssen.

Die Abschiedsfeier besteht aus berührenden Reden unserer Gastgeber und von uns. Das gesamte Personal der Berufsschule ist anwesend. Alle Redner*innen sind sich einig, dass es eine gute Erfahrung war und dass hier Freundschaften geknüpft wurden, aus denen eine gute Grundlage für weitere Arbeit entstanden ist. Während wir unsere begeisterung für ein offenes und lebendiges Land in dem wir große Gastfreundschaft erfahren haben äußern wird unsere Offenheit, Ungezwungenheit und Freundlichkeit gelobt. Danach gibt es wieder traditionelles nepalesisches Essen – Reis mit Linsen und diversen Beilagen. Heraus sticht auch der traditionelle nepalesische, süße Joghurt, der in Tonschalen gereift wird. Ein Naturjoghurt mit festeren Brocken die auf der Zunge zergehen – sehr schmackhaft. Wir sprechen locker miteinander, später hören wir auf einem Laptop noch Nepalesische Volksmusik und Riswo und Mandira – die Ausbilderin für Elektriker*innen hier – zeigen uns wie man dazu tanzt.

Dieser simple nepalesische Volkstanz ist dabei sehr einfach und macht viel Spaß – grob kann man 90% des Tanzens beschreiben als: „sich zur Musik bewegen wie es sich gut anfühlt“ und die restlichen 10% sind dabei auf den Takt achten. Riswo, Frau Kandilova, Ich und Mandira versuchen uns am längsten am Tanzen, Björn nicht so lange und Herr Bähr verzichtet dankend. Frau Kandilova wird sehr für ihre Tanzkünste gelobt. Ich scherze: „Now you can also learn about different European cultures: Here “ – auf Frau Kandilova zeigend, die enthusiastisch tanzt – “ we have Bulgaria, and here “ – auf Björn und Herrn Bähr zeigend die gerade sitzen – “ we have Germany.“ Riswo gibt zu verstehen: „So in this case I like Bulgaria more“.

Schließlich müssen wir uns voneinander verabschieden und uns mental auf den morgigen Tag vorbereiten. Ein Fahrer der auch uns diese Woche oft durch Kathmandu gebracht hat, fährt die Gäste nach Hause während wir ins Guest House zurück kehren. Ich gehe dann auch recht bald ins Bett, in Erwartung eines langen und von Abschiedwehen und Flughafenstress geprägten Tags.

(Bilder der Abschiedsfeier folgen, sobald wie die RAW-Dateien entwickelt haben 😉 )

Namaste!
Harald


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Ein Gedanke zu “Letzte Arbeiten und Abschied – Tag 7 in Nepal

  • Markus Rösch

    Hallo Harald,

    danke für den tollen Bericht. Ich freue mich, die Gruppe in der nächsten Woche wieder zu sehen und auch auf die mündlichen Schilderungen.

    Markus Rösch