Sieben Mal UNESCO-Weltkulturerbe ist nicht genug – Tag 4 in Nepal 7


Unsere Kultur-Tour am Samstag, 9. Juni 2018 – das Kathamdutal unter dem Zeichen der UNESCO. Sieben Gebäude und Anlagen und alles rum herum mit mehr als 900 qkm. Swayambhu, Pashupati und Bhaktapur – „nur“ dafür hat die Zeit gereicht. Es ging erstmal zum Affentempel

Affen überall, im wahrsten Sinne. Weniger scheu, zum Teil angreifend, einfach dazugehörend, auch wenn sie sich von den Gaben an den Opferstellen bedienen.

Auch an vielen Gebetsmühlen kamen wir vorbei – die dreht man nur im Uhrzeigersinn, mehrere Runden möglich und immer „Ommani padme hum“ aussprechen, das so gut wie für Großzügigkeit, Weisheit, Loslassen steht. Das Gebet soll auch bereinigend wirken – kein Geiz, keine Gier, kein Trübsinn. Auch wenn man nicht zu den Buddhisten gehört, darf man dabei mitmachen. Eine sehr offene Religion. Testen Sie es: sagen Sie einfach mal die drei Worte laut vor…

Andere Gebete und Mantras dieser Religion stehen auf bunte Flaggen, die immer zum Beginn des neuen Jahres neu aufgehängt werden. Und an der Stelle eine Quizfrage: warum haben die Nepalesen gerade das Jahr 2075? Auflösung bei dem letzten Beitrag unserer Reise. 🙂

Nächstes Weltkulturerbe – Pashupati. Ein Ort der hinduistischen Spiritualität. Farbenfroh, rauchend und traditionsgebunden. Mich persönlich haben die Rituale um das Kremieren der Leichen sehr getroffen. So sehr, dass ich meinen Blick wenden musste – genau dann als die nächste Leiche ans Ufer des Heiligen Flußes gebracht wurde, um gewaschen und dann ein paar Meter weiter verbrannt zu werden. Vor den Augen allen! Kinder im Grundschulalter laufen mit an Seil befestigten Magneten durch das dunkle heilige Gewässer und „sammeln“ den im Namen des Verstorbenen geworfenen Schmuck. Und noch eine Skurilität: ein Stoffvorhang trennt die brennenden Feuerstellen von einer laut singenden und trommelnden Männergruppe, deren Musik zum fröhlichen Mitklatschen veranlasst. Erst nachdem wir einen grünen Park am Ende des Geländes erreicht haben, beruhigte sich mein Inneres. Ich werde dies noch sehr lange mit mir tragen.

Bhaktapur war am leichtesten zu “verkraften”. Dort hat extrem viel Leben geherrscht – vielleicht auch zum Teil deswegen, da für Nepal der Samstag der Feiertag der Woche ist. Buchstäblich im Schoß der 400-Jahre alten imposanten Bauwerke wird frisches Obst und Gemüse angeboten, zahlreiche Baustellen zeigen, wie schleppend der Aufbau der Zerstörungen von 2015 laufen. Der Hund, auch wenn nicht heilig, ist in unterschiedlicher Größe und Farbe zu treffen. Am Ende kommen noch ein paar bildhafte Beweise von Harald – unser Hundeliebhaber.

Nepal steht kurz vor der großen Regenperiode (monsoon). Doch wir hatten bis jetzt einfach Glück – es hat geschüttet immer als wir in geschlossenen Räumen waren, inkl. im Auto. Und apropos Auto – es genügt nicht, ein guter Fahrer zu sein, man muss SEHR SEHR gut sein. Regelbrechen gehört dazu. Zebrastreifen nur als Straßendekoration, jeder hat Recht und kein einziger Unfall! Dichte Staubwolken, von den krallen Farben der Kurdas (Frauenbekleidung) durchbrochen und in zahlreichen Gesichtsmasken versteckt. Man gewöhnt Sich an den Wahnsinn und plötzlich weicht man automatisch aus, damit das Moped Millimeter von deiner Haut vorbei fährt. So teilt man sich die Straße. Genauso wie die Wasserflaschen. Dein Wasser ist mein Wasser und umgekehrt. Die 10-jährige Tochter von Riswo, Manager bei NYF, bringt mir was nützliches bei – Wasssertrinken ohne Lippen. Und noch etwas probieren wir aus – mit den Händen essen – ein ganz besonderes Erlebnis. Die rechte füttert, die linke soll sauber bleiben.

Am Ende meines Betrags heute – gerade erst 22:45h, alle im Bett – möchte ich zwei große Freuden mitteilen.

1. Von unserer Reiseapotheke wurden bis jetzt nur die Sprays gegen Moskitos und für Sonnenschutz benutzt. Sonst sind noch alle Packungen zu. Möge es so bleiben!

2. DAS WICHTIGSTE: Unsere Azubis Björn und Harald sind absolut großartig!!! Roland Bähr und ich befinden uns bildhaft in der genussvollen Rolle als Begleiter und Unterstützer zweier aktiven, engagierten, kommunikativen, zuverlässigen, wissenden und doch noch neugierigen jungen Männer. Ich bin einfach nur stolz. Danke, Jungs!

Namaste

Svelta Kandilova

 

Anbei noch ausgewählte Bilder der beiden jungen Fotografen – unbearbeitet

 

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7 Gedanken zu “Sieben Mal UNESCO-Weltkulturerbe ist nicht genug – Tag 4 in Nepal

  • Markus Rösch

    Hallo Svetla,

    der Beitrag ist sehr beeindruckend. Es ist eben eine ganz andere Kultur, da kann es schon sein, dass man sehr berührt wird -so oder so.
    Ich freue mich zu hören, dass bei Euch alles so gut klappt und alle gesund sind.
    Vielleicht kannst Du auch mal für mich an den Gebetsmühlen drehen. Dieses „Ommani padme hum“ ist, glaube ich, auch für mich gut.

    Liebe Grüße

    Markus Rösch

    • Svetla Kandilova Autor des Beitrags

      Hallo Markus, leider sieht unser Programm nicht mehr vor, zu den Gebetsmühlen zu gehen, aber falls es sich doch eine Gelegenheit ergibt, werde ich an dich denken. 🙂

      Viele Grüße, Svetla

    • Svetla Kandilova Autor des Beitrags

      Das ist schön! Harald und Björn sind wieder dabei, die neuen Eindrücke zusammenzufassen. Seid gespannt 🙂

  • Renate bauder

    Namaste liebe BBWN Nepalreisende,

    vor nicht einmal 9 Wochen bin ich selber durch die Straßen von Kathmandu und Lalitpur gestreift und habe mit unserer Reisegruppe die vielen weltberühmten Kulturgüter Nepals aber auch Olgapuri besucht.
    Im Olgapuri Gästehaus habe ich übrigens 2013 gemeinsam mit einer Gruppe der Nepal Youth Foundation Germany 10 Tage gewohnt. Beim Betrachten der Fotos kommt bei mir doch etwas Wehmut auf… Ich habe auf den Fotos nach dem Koch gesucht, habe ihn aber nirgendwo abgebildet gesehen. Falls Ram der Koch ist grüße ich ihn von dieser Stelle ganz herzlich und ganz besonders von meinem Mann Albert. Die beiden haben sich 2013 im Haus von Olga Murray kennengelernt.
    Wenn ich die Blogeinträge richtig lese, geht es allen aus der BBW Gruppe gut – sowohl gesundheitlich als auch was den Austausch mit den nepalesischen Projektbeteiligten betrifft. Das freut mich sehr.
    Ich wünsche Euch/Ihnen allen noch viele interessante Erlebnisse und jede Menge Ideen für eine gemeinsame Projektarbeit zwischen BBW und OVS.
    Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Blogeinträge aus Olgapuri.
    Viele Grüße aus Neckargemünd
    Renate Bauder

  • Renate Bauder

    …gerade las ich nochmal meinen Kommentar und muss mich gleich korrigieren. Im Gästehaus von Olgapuri habe ich im Oktober 2016 gewohnt. 2013 gab es das Kinderdorf ja noch nicht.;-))
    Namaste
    Renate Bauder

  • Claudia Baygan

    Tolle Fotos! Das Essen sieht superlecker aus und die Hunde, die ihr fotografiert habt, möchte man alle adoptieren – oder?
    Viele Grüße,
    Claudia Baygan