Tag 2 in Olgapuri Village 3


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Namaste!

Kathmandu bei Nacht, vom Guest House

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht im Guesthouse sollte es heute ans Eingemachte gehen. Ein leckeres Frühstück, ein bisschen wach werden auf der Terrasse und dann durften wir auch schon einer Präsentation zur Nepal Youth Foundation, ihrer Arbeit in Nepal und Berufsausbildungen in Nepal beiwohnen.

Berufsausbildungen in Nepal und in Deutschland sind dabei gar nicht so unterschiedlich. Nepalesische Ausblidungen beinhalten auch einen Theorie- und Praxisteil. Allerdings gibt es anders als hier mehr Optionen für weniger qualifizierte Arbeiten: Level 1 einer Berufsausbildung dauert nur 3 Monate, Level 3 dauert dagegen 3 Jahre.  Zur Zeit werden in der Olgapuri Vocational School ausschließlich Auszubildende für Level 1 unterrichtet, welche danach in Arbeit vermittelt und noch mindestens 6 Monate von der Nepal Youth Foundation nachbetreut werden. Der Fokus liegt dabei darauf, Menschen aus abgelegenen Provinzen und weniger Privilegierten eine Möglichkeit zu geben, neue Perspektiven zu entwickeln. Eine der Schülerinnen, so sagt man uns, hatte vor der Ausbildung noch auf der Straße gelebt.

Berufsausbildungen sind in Nepal mit einem Stigma behaftet – der normale Weg der Bildung soll der über die allgemeine Schule und schließlich das Studium sein. Berufsausbildungen gelten als perspektivlos, sinnlos und für Menschen die zu faul zum lernen oder zu dumm gewesen seien. Die Realität zeigt etwas anderes: Händeringend werden in Nepal Menschen gesucht, die Handwerkliche Tätigkeiten mit einer Ausbildung durchführen. Viele Menschen verlassen dennoch lieber als ungelernte Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter das Land, oder bleiben in Nepal arbeitslos.

Gruppenfoto mit den Nepalesischen Kontaktpersonen, und den beiden Auszubildenden, die im Herbst zu uns kommen werden

Die Olgapuri Vocational School unterrichtet in diesen 3-Monatigen Ausbildungen in den Bereichen Klempnerei, Schweißerei, Tischlerei und Elektrik. Landwirtschaft und Pflege sollen folgen. Zudem wird angestrebt in Zukunft auch die 3-Jährigen Level 3-Ausbildungen zu geben. Hinderlich ist hier zur Zeit nur das langsame Mahlen der Mühlen der Bürokratie: Inspektoren der Regierung haben bereits ihr OK gegeben.

Es werden zunächst Grundlagen des Handwerks selbst vermittelt. Aber ein wichtiger Teil der Berufsbildung ist auch die Vermittlung von „Life Skills“ – von der Benutzung von E-Mail bis hin zum selbstständigen Wäschewaschen werden Kurse angeboten. Das alles findet in einem Rahmen mit psychologischer Betreuung statt. Die Schülerinnen und Schüler sollen wieder positive Perspektiven, Lebensmut und Freude für sich entdecken, wenn sie ins weitere Leben starten.

In einer Gesprächsrunde mit den Ausbilderinnen und Ausbildern der Berufsschule kommen uns allen bereits viele Ideen. Auf Nepalesischer Seite besteht großes Interesse daran, altes Werkzeug und Know-How aus Deutschland zu bekommen. Schnell wird viel an Ideen gesammelt: Von Austausch von Ausbildern und Ausbilderinnen zwischen den Schulen, Nepalesischen Schülern die ihren Abschluss als Äquivalent eines Level 3 – Abschlusses in Nepal in Deutschland machen, bis hin zum Eröffnen eines PC-Workshops steht viel Kreativität und Energie im Raum. Konkret sind sich alle einig: Projekte sollen zwischen beiden Einrichtungen stattfinden. Die Zukunft, eure und unsere Arbeit und das Glück werden dann darüber entscheiden, was alles aus der heutigen Grundsteinlegung erwachsen kann.

Auch Touren durch die Berufsschule, die Landwirtschaftlichen Lernbereiche und Farm, sowie das Kinderdorf des Olgapuri Village fanden heute statt. Dabei hatten wir Einblick in die Produktion, sowie die erstaunlich modernen Konzepte organischer Landwirtschaft – wie die Kombination von Aquakultur (Fischfarmen) und Hydroponics (Anbau von Pflanzen mit dem Abwasser der Fischfarmen). Produkte der Werkstätten und Farm werden entweder direkt in den Einrichtungen der Nepal Youth Foundation verwendet – wie Metallbänke aus der Schweißerei oder Verkabelung durch die Azubis – oder zum Teil verkauft um das Projekt am Leben zu halten. So werden etwa Massagerollen aus der Holzwerkstatt in das Vereinigte Königreich exportiert oder Milch die nicht im Kinderdorf verwendet wird abgefüllt und in der Stadt verkauft.

Ausblick auf Lalitpur, Kathmandu

Nach einem so schon aufregenden Arbeitstag und einem schnellen Kaffee hatten wir am Abend noch einmal die Gelegenheit mit einem unserer Gastgeber Lalitpur zu durchwandern. Atemberaubende Berglandschaften, durchzogen von Baustellen prägen die Gegend. Man sieht dem Land nicht nur das schwere Erdbeben und die Wiederaufbauarbeiten an, sondern auch die Aufbruchsstimmung. Einen umgibt ein wuselndes, lebendiges Chaos, abenteuerliches Fahren von Mopeds, Bussen und LKWs auf den Straßen, Straßenhunde, Ziegelöfen, Graue Betonbauten und rote Ziegelmauern neben bunten Tempelhäußern – eine Sache ist unanzweifelbar: Nepal lebt und wächst.

Den Abend lassen wir mit erneut exzellentem Essen ausklingen und freuen uns bereits auf den nächsten Tag, den Rest unserer Woche in Nepal, und die langfristige Zusammenarbeit mit unseren neuen Freundinnen und Freunden.

Zuletzt noch weitere Bildeindrücke des zweiten Tages in Nepal:

 

Und auch zum Abschied: Namaste!
Harald


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3 Gedanken zu “Tag 2 in Olgapuri Village

  • Thomas Gaßner

    Vielen Dank für die ausführlichen Einblicke in das nepalesische Bildungssystem.
    Es hört sich so an, als ob sich auf dieser „Anbahnungsreise“ wirklich etwas anbahnt :-).
    Schöne Fotos – gerne mehr …

  • Dorothee Rauschenberger

    Tolle Bilder —- werde ganz neidisch! Weiterhin eine gute Zeit für euch
    wünscht
    Dorothee Rauschenberger