Viel zu Spät veröffentlichter sechster Tag 1


La La (Wörtlich: Ja Ja, Umgangssprachlich: Alles klar.)

 

Unser erster nennenswerter Halt, nach einem gewohnt hervorragenden Frühstück (Kräuterkäseomelette mit nepalesischem Käse aus Nepal), waren die Headquarter der Nepal Youth Foundation.

 

Auszeichnungen und Bilder von NYF Projekten schmücken die Wand. Wir werden herzlich von allen Seiten begrüßt und vorgestellt. Alles scheint sehr familiär, aber trotzdem organisiert.  Einige Namastes später verabschiedet sich Riswo vorerst auch schon wieder, während es für uns weiter zum Goethe Institut geht.

Dort werden wir von einem kleinen Hund begrüßt, welcher irgendwie zum Anwesen zu gehören scheint. Sofort fallen mir stückweise deutsche Wörter und Sätze ins Auge. „Jetzt lerne ich Deutsch, dann will ich…“ oder „Deutschzone“. Zurzeit wird hier nur Deutsch gelehrt, doch ferner möchte man das Angebot über die Deutschkurse hinaus auch um einen kulturellen Aspekt erweitern.

Die Sprachkurse waren bereits im Gange und bis auf eine Schülerin, welche bei dem schönen Wetter draußen paukte, trafen wir leider keine weiteren Deutschbegeisterten. Aber dafür konnte die Dame an der Rezeption Deutsch. Plötzlich beim Deutsch sprechen wieder von seiner Umwelt verstanden zu werden war ein seltsames Gefühl.

Wir bekamen eine Führung durchs Institut, welches wie so viele Gebäude in Kathmandu, die ein oder anderen Narben vom Erdbeben trug. Bei der Führung begegneten wir Kathrin Junken, der Direktorin des Institutes.

Wir plauderten ein wenig, tauschten unsere Erfahrungen der letzten Tage aus und erhielten einen kleinen Einstieg in die kulturellen Gepflogenheiten mit nepalesischen Projektpartnern. Welche Dienste werden genutzt, welche eher weniger. Permanentes anschreiben und anrufen wird, anders als in Deutschland, nicht als belästigend empfunden, sondern signalisiert die Dringlichkeit des Kontaktes.

 

Der Unterricht am Institut wird in 3 Niveaus unterteilt. Dabei hat es selbst das erste schon in sich. Wörter wie Skifahrer oder Krankenschwester müssen sitzen. Eine kleine deutschsprachige Bibliothek hilft beim Lernen. Auch hier wieder sofort die Gelegenheit für zukünftige Zusammenarbeit. Das Institut ist um jedes deutsche Buch, jedes Magazin egal auf welchem Niveau dankbar. Bei bestehendem Interesse können sie mit Frau Junken über director@goethe-kathmandu.edu.np Kontakt aufnehmen.

 

Wir verabschieden uns und fahren weiter. Erst zum NYF Headquarter und anschließend mit Riswo zusammen zum NRH (Nutritional Rehabilitation Home). Das NRH kümmert sich um unterernährte Kinder und Mütter mit unterernährten Babys in zwei Gebäuden, wobei es im ganzen Land weitere Einrichtungen gibt. Das Projekt wird durch NYF-Gelder finanziert, wobei der Staat jedes Jahr einen Teil der kosten übernimmt, bis das Projekt vollverstaatlicht ist (25%,50%,75%,100%).

Im Gebäude riecht es chemisch-metallisch. Ein Vater (der einzige Vater den wir gesehen haben), läuft mit seinem weinenden Baby die Treppe auf und ab. Plakate an der Wand zeigen vorher-nachher Bilder von Babys welchen geholfen wurde. Eine Tafel listet alle Kinder mit Eingangsdatum, Gewicht, Alter und Größe. Ein mit verschiedenen Lebensmitteln gedeckter Tisch, Ernährungspyramide und Infomaterial lassen den Raum deutlich weniger steril wirken.

Im zweiten Stockwerk waren die Mütter mit ihren Kindern untergebracht. Simple Räume mit einem Fernseher und einigen Betten. Nichts Außergewöhnliches. Das Personal ist geschult, bei Bedarf kann ein Arzt hinzu gerufen werden. Hier befindet sich auch der Raum, in dem neue Ernährungshelfer geschult und ausgebildet werden.

Ein Stockwerk darüber befindet sich die Küche und der Essenssaal. Wir essen Heute hier mit Riswo. Traditionell nepalesisch. Unter anderem eine Art Kürbis, welcher von seiner Textur her stark an Fleisch erinnert. Leider ist mir der Name entfallen, denn mir persönlich hat er geschmeckt.

Darauf besichtigten wir das andere Gebäude, in dem die Kinder untergebracht waren.

Viel war nicht zu sehen. Ein Spielraum der aussah wie jeder andere Spielraum auf der Welt vermutlich auch, bescheidene aber funktionelle Zimmer und Mittagsschlaf haltende Kinder.

Im Keller lag die Küche des Gebäudes. Dort begegneten wir einem von zwei europäischen Mädchen, welche über eine Organisation hier mehrere Monate aushalfen und bei Familien in der Nähe untergebracht waren.

 

Danach fuhren wir zum vorerst letzten Ort, der psychologischen Einrichtung der Nepal Youth Foundation.

 

Schon beim Betreten strahlen einen bunte Bilder, Wandmalereien, Pflanzen und Gebasteltes an. Die Umgebung ist hell, aufheiternd. Stellenweise schmücken motivierende Sprüche die Wand.

Wir werden durchs Gebäude geführt und kommen an zwei Räumen mit hüfthohen Sandkästen und hunderten von kleinen Figürchen vorbei. Man erklärt uns, dass es sich dabei um einen Spielraum handle, welcher in der Therapie genutzt wird. Kinder können sich ihre eigene Welt im Sandkasten erbauen, Straßen anlegen, Dinge verbuddeln. Mit leuchtet der Ansatz sofort ein.

Im Raum nebenan findet Therapie statt. Es wird laut gerufen. Wir wollen nicht stören und gehen weiter um uns mit einem Teil der Belegschaft zu einem Kaffee auf der Terrasse zu treffen. Nicht zum ersten Mal stellen wir einen ziemlich hohen Frauenanteil fest. Wie uns später erzählt wird, beschäftigt die Nepal Youth Foundation sogar überwiegend Frauen.

 

Es dauert nicht lange bis die ersten Fragen fallen. Neben dem bereits breit getretenen Klassiker „Wie Funktioniert das deutsche Schul/Ausbildungssystem?“, fallen auch andere sehr interessante Fragen. Ein Gespräch über Sozialsystem und Ämter entsteht. Einiges wird verglichen. Für das meiste fehlen in Nepal leider die Mittel. Ich vergleiche für mich selbst und denke über wirtschaftliche Zusammenhänge nach.

Zurück im Olgapuri Village. Ankommen, Ausruhen, Abendessen, Reflektieren und zwischen all diesen Segmenten immer wieder interessante und teils lehrhafte Gespräche.


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Ein Gedanke zu “Viel zu Spät veröffentlichter sechster Tag

  • Richard

    Guten Morgen!
    Hat echt Spaß gemacht, eure Berichte zu lesen. Sie sind auch so vielschichtig. Hier im Beitrag gefällt mir am meisten das Männchen mit „Herz-Augen“ auf gelbem Hintergrund.
    Und hier in Portsmouth erzählte mir gestern ein Kollege, dass er Rammstein hört, nachdem er sich noch versichert hatte, dass ich aus Deutschland bin.
    Da meinte ich, das ist doch eine schöne und positive Assoziation und dachte an den Gegensatz in einem eurer ersten Berichte, was den Schülern in Nepal zu Deutschland einfällt. 🙂